Die Uhr tickt unaufhaltsam

Bocholter Report vom 09. August 2006
von Elmar Venohr



Wenn andere längst die Rollläden an ihren Geschäften heruntergezogen haben, die Büros verlassen vor sich hinschlummern oder der Handwerker seine Werkzeugkiste abgeschlossen hat, dann brennt bei der Firma DERR Logistik im I-Park in Bocholt meist noch Licht. Bimmelt zu später Stunde noch das Telefon und ein Auftrag schneit herein, wird selbstverständlich nachts noch der Auftrag entsprechend dem Kundenwunsch abgewickelt. Zeit ist gerade in der Logistikbranche Geld.

„Wir stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Langweilig wird es in unserer Branche nicht“, weiß Christian Seif, Niederlassungsleiter der Firma in Bocholt. Typischer Fall einer Spontanaktion im Dienste des Kunden: Um 22 Uhr klingelt das Telefon. Es meldet sich eine Druckerei. Dort ist eine Maschine ausgefallen. Die Zeit ist knapp. Die Druckerei möchte, ja muss ihr Produkt am nächsten Morgen um 7 Uhr beim Kunden in Stuttgart haben. Mitarbeiter der Firma DERR Logistik bieten eine Lösung. Fahrer und Wagen werden organisiert, Fahr-Routen berechnet. Und schon geht´s los. Einen klassischen Feierabend gibt es eben nicht.

„Wir können nicht die Tür zuziehen und sagen: das war´s“, weiß Christian Seif, betont in diesem Zusammenhang jedoch, dass alle Flexibilität ihre Grenzen hat.

Mit einer Flotte von mehr als 60 Fahrzeugen an den Niederlassungen in Gladbeck, Wuppertal und Bocholt ist die Firma sozusagen „auf den Straßen vertreten“. Die Firma kooperiert weltweit mit 200 festern Partnern und wird derzeit von Bocholt aus geleitet.

Der Standort im I-Park verfügt über ein 2005 neu eingerichtetes Logistikcenter mit 1000 Quadratmetern beheizter Halle, versehen mit modernster Sicherungstechnik. Am Standort Bocholt investierten die Verantwortlichen der Firma gezielt im so genannten Bereich „Mehrwertlogistik“. So können sich die Kunden nicht nur auf einen reibungslosen Transport ihrer Waren verlassen, sondern im Bedarfsfall auch Lagerkapazitäten buchen, Produkte konfektionieren lassen, einen Verpackungsservice in Anspruch nehmen oder auch einen Verteilservice nutzen.

Besonders interessant: die „Betankungsstraße“ für Computer- und Kassensysteme. Mit der ist es möglich, bis zu 100 Anlagen gleichzeitig beispielsweise mit einem neuen Betriebssystem zu versehen. Das bedeutet, innerhalb von 24 Stunden können bis zu 1.000 Systeme komplett mit Software bestückt werden. Auf Anforderung verschiedener Computerhersteller erfolgt anschließend der Versand der Geräte - natürlich mit dem DERR Logistic Expressversand.

Und wer hat seinen Nutzen von dem Dienstleistungsangebot: Das Know-How nutzt beispielsweise ein großes IT-Dienstleistungsunternehmen für das eigene Servicenetzwerk, um bundesweit auf Abruf die Geschäftsstellen eines Telekommunikationsanbieters zu versorgen. Findet die komplette Umstellung einer Geschäftsstelle statt, so verlassen in nur 72 Stunden mehrere Sattelzüge mit komplett bestückten PC- und Kassensystemen samt Monitoren, Druckern und Kleinteilzubehör die Logistikhallen im Bocholter I-Park. Im Gegenzug werden die ausgemusterten Geräte aus den Geschäftsstellen aufgeladen und in Bocholt für den Weiterverkauf oder die Verwertung gereinigt, überholt und komplett gelöscht. Und dabei müssen die Mitarbeiter penibel genau arbeiten. „Stellen Sie sich vor, eine Festplatte ist nicht komplett gelöscht, und die PCs gehen dann zum Beispiel wieder in den freien Handel“, bemerkt Christian Seif.

Insgesamt zehn Arbeitsplätze hat die Firma DERR Logistik in Bocholt geschaffen, die sich seit eineinhalb Jahren im I-Park befindet. „Wir haben sozusagen eine Marktnische genutzt“, erklärt Christian Seif. „Wir sind keine Post, die Massen bewegt, aber auch keine Spedition, die zwar billiger transportiert, bei der der Kunde aber seine Waren nicht in der Schnelligkeit wie bei uns ans Ziel bekommt.“

Keine Frage: Wer in der heutigen Zeit Erfolg haben will, muss innovativ sein, muss Marktlücken erkennen und davon überzeugt sein, „dass der Kunde König ist“. So wird bei DERR Logistik auch scheinbar Unmögliches möglich gemacht. So musste eine Fracht dringend in den Ostblock. „Da haben wir kurzerhand einen Lkw losgeschickt, einen Flug gebucht, zwei weitere Fahrer in Köln in den Flieger gesetzt, die die beiden Kollegen in Budapest abgelöst haben. So konnte der Lkw durchfahren und wir den Zeitplan einhalten“, weiß Christian Seif zu berichten und unterstreicht so noch einmal die Tatsache, dass es in der Logistikbranche „nie langweilig“ wird. Doch nicht nur große oder größere Kunden hat die Firma im Visier: Auch der kleine Kunde wird bedient. So können Waren mit einem Gewicht von einem bis zu 700 Kilogramm quasi „über Nacht“ verschickt, Direktfahrten mit Pkw, Caddy, Bus, 7,5-Tonner, 12-Tonner und Sattelschlepper mit bis zu 25 Tonnen Zuladung gebucht werden.

Dieser Service wird in Zukunft durch einen speziell auf Kundenwünsche abgestimmten Paketshop am Standort Bocholt im I-Park ausgebaut werden. Und letztlich nicht vergessen werden darf die Möglichkeit, bei der Firma im I-Park Lagerkapazitäten zu nutzen. Je nach Anforderungen der Kunden können Waren trocken, sauber und beheizt im I-Park gelagert werden, so dass Firmen selbst keine Lagerhallen anmieten müssen. Und wenn diese gelagerten Waren dann zum Kunden sollen, geht das ganz fix. Denn Zeit ist ja bekanntlich Geld.

Quelle: Bocholter Report, 9.8. 2006

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